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Unsere kurzsichtigen Digital Natives

Wie viel Zeit am Bildschirm ist unbedenklich? Wodurch wird die Entwicklung der Sehkraft im Kindesalter beeinflusst? Und wie können Eltern Risiken minimieren? Die erfahrene Wiener Augenfachärztin Dr. Helga Azem klärt auf.

Frau Dr. Azem, wie beurteilen Sie den Zusammenhang zwischen digitalen Medien und Fehlsichtigkeit bei Kindern?

Azem: Weltweit beobachten wir eine Zunahme der Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen. Manche sprechen sogar von einer Kurzsichtigkeitsepidemie. Leider ist die Myopie (Kurzsichtigkeit) aber nicht bloß ein Sehfehler, den man mit Brille, Kontaktlinsen oder refraktivchirurgischen Eingriffen korrigieren kann. Sie birgt auch höhere Risiken für verschiedenste Folgeerkrankungen wie beispielweise Glaukome oder Netzhautabhebungen. Umso wichtiger ist es, die Entwicklung des kindlichen Auges regelmäßig vom Augenarzt kontrollieren zu lassen.
Grund für den Anstieg betroffener Kinder ist zum einen die Vererbung. Zum anderen zeichnen Studien unsere heutigen Lebensgewohnheiten dafür verantwortlich. Einfach formuliert passiert bei der Nutzung digitaler Medien Folgendes: Bei Kurzsichtigkeit ist der Augapfel zu lang gebaut. Wenn Kinder viel Zeit am Tablet oder Smartphone verbringen, muss das Auge permanent „auf Nähe einstellen“. Dadurch wird das Auge dazu stimuliert, noch weiter zu wachsen. Eine Kurzsichtigkeit entsteht oder schreitet fort.
 

Gibt es dementsprechende Gegenmaßnamen?

 
Azem: Wird eine Fehlsichtigkeit diagnostiziert, kann das Weiterwachsen des Augapfels durch atropinhaltige Augentropfen oder spezielle Kontaktlinsen (ca. ab dem achten Lebensjahr) etwas gebremst werden. Welche Therapie zur Anwendung kommt, wird – nach gründlicher Anamnese – individuell und ausschließlich gemeinsam mit dem Facharzt getroffen. Grundsätzlich empfehle ich aber in jedem Fall einen ausgewogenen Umgang mit Tablet und Co: Die Kinder sollten täglich zumindest ein bis zwei Stunden im Freien, also bei Tageslicht, spielen. Nach etwa 30 Minuten am Smartphone tun längere Pausen gut.
 

Was sollten Eltern zum Thema Kurzsichtigkeit bei Kindern unbedingt wissen?

 
Azem: Die Augenuntersuchung zur Ermittlung möglicher Fehlsichtigkeiten bitte unbedingt beim Facharzt durchführen lassen, denn nur hier werden die Augen eingetropft. Man spricht von einer Skiaskopie (Untersuchung) in Cykloplegie. Das bedeutet, dass durch spezielle Augentropfen die dynamische Anpassung des Auges an verschiedene Objektentfernungen vorübergehend verhindert wird. Da sich das kindliche Auge besonders schnell anpassen kann, ist eine präzise Messung ohne Cycloplegie nicht möglich. Unter Umständen wird sogar das gesunde Auge irrtümlicherweise als kurzsichtig diagnostiziert. Ein sicheres Messergebnis liefert daher nur der Arztbesuch. Die erste Untersuchung sollte etwa im 2. Lebensjahr erfolgen, denn unsere Augen lernen bis zum 7. Lebensjahr, scharf zu sehen – dazu brauchen sie optimale Bedingungen. Nicht oder falsch korrigierte Sehfehler können die Entwicklung des Auges massiv stören und zu irreparablen Schwachsichtigkeiten führen.
 

Wie reagieren Kinder auf die „Diagnose“ Brille?

 
Azem: Noch vor 20 Jahren gab`s oft Tränen, wenn eine Brille verordnet wurde. Niemand wollte als „Brillenschlange“ verspottet werden. Heute kommen die Kinder sogar mit ausdrücklichem Brillenwunsch in die Ordination. Man wünscht sich „die gleiche coole Brille wie …“. Den Wandel zum modischen Accessoire verdanken wir teils auch der Industrie. Haben Sie Tipps zum Brillenkauf mit Kindern? Azem: Am wichtigsten ist die Beratung durch einen erfahrenen Fachoptiker, der idealerweise gut auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen kann. Außerdem sollte die Brillenfassung vorrangig dem Kind selbst gefallen, damit sie gerne und widerstandslos getragen wird.

Erste Anzeichen für Fehlsichtigkeit bei Kindern:

Gelegentlich bleiben Sehschwächen leider unerkannt. Umso wichtiger ist ein frühzeitiger Arztbesuch – ca. um das 2. Lebensjahr. Manche Symptome sind jedoch auffällig und können ein Hinweis auf Fehlsichtigkeit sein:

  • Häufiges Reiben der Augen
  • Ungewöhnliche Kopfneigung
  • Die Augen folgen den Gegenständen nicht
  • Abwendung vom Licht
  • Nervöses Zwinkern
  • Schielen
  • Nahes Sitzen zum Fernsehgerät
  • Zusammenkneifen der Augen
  • Häufige Kopfschmerzen

Ein Besuch beim Augenarzt bringt in jedem Fall Klarheit und ist vor sehkorrigierenden Maßnahmen von Kinderaugen unumgänglich.

Kriterien beim Brillenkauf:

  • Die Brille darf nicht zur Nasenspitze rutschen. Andernfalls schaut das Kind nicht durch das Glas, sondern über dem oberen Brillenrand vorbei – Eine zentrierte Sicht muss konstant möglich sein.
  • Die Fassung darf nicht drücken. Achten Sie auf Druckstellen an den Nasenflügeln oder am Nasenrücken und hinter den Ohren.
  • Achtung auch bei Kratzern im Zentrum des Brillenglases, die durch unvorsichtiges Ablegen verursacht werden. Gläser, die dadurch bereits leicht milchig sind, müssen unbedingt ausgetauscht werden.
Der Artikel erschien ursprünglich im Magazin „Kinderbrillen 2018“ (Ausgabe 01).
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